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Unfall mit Radfahrer – Was ist zu beachten?

UNFÄLLE MIT RADFAHRERN – WAS IST ZU BEACHTEN?

Die Zahl der toten Radfahrer steigt jedes Jahr dramatisch an. Auch die Unfälle mit Radfahrern nimmt immer mehr zu. Unsere Checkliste soll Sie informieren, was zu tun ist und wie die aktuelle Rechtssprechung die Haftung bei einem Unfall mit einem Radfahrer sieht.

CHECKLISTE ANSSPRUCHSGRUNDLAGE

1. ANSPRÜCHE DES RADFAHRERS NACH STVG

Wird ein Radfahrer beim Betrieb eines KFZ verletzt, können Ihm Ersatzansprüche aus § 7 Abs. 1 StVG gegen den Halter und aus § 18 Abs. 1 StVG gegen den Fahrer zustehen. Zudem haftet Ihr Haftpflichversicherer grundsätzlich gegenüber dem Fahrradfaher (§ 3 PflVG.). Ohne das ein Verschulden Ihrerseits nachgewiesen werden muss, kann der Radfahrer ein Schmerzensgeld gegenüber Ihrem Versicherer geltend machen (§ 11 StVG). Hierzu hat auch der BGH bereits ein Urteil gesprochen, in einem Fall wo es nicht zu einer Berührung kam zwischen PKW und Radfahrer (BGH VI ZR 96/87)
“Ein Sturz vom Fahrrad bei einer Ausweichreaktion, die durch das plötzliche Auftauchen eines Kfz auf der Gegenfahrbahn in der unübersichtlichen Kurve einer schmalen Straße veranlasst ist, weil der zur Verfügung stehende Platz zu eng zu werden droht, ereignet sich “bei dem Betrieb” des Kraftfahrzeugs. Selbst ein Unfall infolge einer voreiligen – also objektiv nicht erforderlichen – Abwehr- oder Ausweichreaktion ist ggf. dem Betrieb des Kraftfahrzeuges zuzurechnen, das diese Reaktion ausgelöst hat.”

2. HAFTUNGSAUSSCHLUSS UND HAFTUNGSFREISTELLUNG

Allerdings kann die Gefährdungshaftung ausgeschlossen werden, wenn es sich um Ereignis von höherer Gewalt handelt. Es kann aber auch sein das der Fahrer auch ohne höhere Gewalt keine Haftung hat, wenn eine volle Schuldlosigkeit festgestellt werden kann. Auch der Halter des KFZ kann freigestellt werden. Allerdings muss dem Radfahrer hier eine gewisse Fahrlässigkeit zugerechnet werden. Eine einfache Fahrlässigkeit reicht nicht aus, um schuldlos aus dem Unfall herauszukommen (§ StVG und § 254 BGB).

3. RADFAHRER HAFTET ALLEINIG FÜR DEN UNFALL

Für einen Schaden den ein Radfahrer schuldhaft selbst verursacht, haftet dieser auch nach § 823 Abs. 1 oder Abs. 2 BGB. Allerdings steht nich immer fest zu welcher Quote der Radfahrer haftet. Dies ist immer abhängig von der Schwere und der Schuld. Wir haben für Sie eine Übersicht erstellt, aus der Sie erkennen können wie hoch der Radfahrer haftet oder eben auch nicht haftet.

HAFTUNG / MITHAFTUNG EINES RADFAHRERS

Haftung 100 %
Radfahrer benutzt verbotswidrig linken Radweg, Kollision mit wartepflichtigem Pkw an Einmündung OLG Düsseldorf NZV 00, 506;


Radfahrer befährt Gehweg in falscher Richtung, Kollision mit Pkw an Einmündung (OLG Celle MDR O1, 1236); ebenso AG Stralsund NZV 03, 290;


Radfahrer befährt linken Gehweg, Kollision mit rückwärts aus Hofeinfahrt herausfahrendem Pkw (OLG Celle MDR 03, 928, s. auch OLG Hamm NZV 95, 152; OLG Karlsruhe NZV 91, 154);


Radfahrerin (14j.) überquert verbotswidrig Bundesstraße; Kollision mit Pkw, Fahrerverschulden nicht feststellbar (OLG Celle 7.11.02, 14 U 61/02, Abruf-Nr. 042615);


Radfahrerin (78j.) missachtet Vorfahrt von Pkw (OLG Köln VRS 99/00, 322);


Radfahrer (13j.) überquert verbotswidrig eine Kreisstraße, Kollision mit Pkw, Fahrerin schuldlos (AG Nordhorn DAR 04, 98);

Haftung 75 %
Rennradfahrer befährt zu schnell linken Gehweg, Kollision mit Grundstücksausfahrer (LG Karlsruhe SP 04, 256);


Haftung 50 %
Radfahrer will bei Rot Straße überqueren, Kraftfahrer fährt bei Gelb in die Kreuzung ein (OLG Hamm DAR 04, 89);


Haftung 30 %
Radfahrer befährt Fahrbahn statt Radweg, Kollision mit linksabbiegendem Pkw (OLG Düsseldorf 5.5.03, 1 U 122/02, Abruf-Nr. 042617);


Haftung 20 %
Radfahrer befährt verbotswidrig linken Radweg, Kollision mit Grundstücksabbieger (Lkw), OLG Düsseldorf 30.6.97, 1 U 162/96;


Haftung 0 %
Radfahrer befährt verbotswidrig linken Radweg, Kollision mit Grundstücksabbieger (Lkw), OLG Düsseldorf 30.6.97, 1 U 162/96;